Der erste Fall für Simon Strasser

 

Inmitten der flirrenden Augusthitze träumt der ehemalige Polizeireporter Simon Strasser von nichts weiter als einem erfrischenden Bad im Lago d’Orta und einem Regenschauer. Doch dann entdeckt er auf einer herrenlosen Yacht die Leiche eines einflussreichen Fabrikantensohns. Simons alte Instinkte sind geweckt, doch an diesem beschaulichen See scheint jeder ein Geheimnis zu haben – das um jeden Preis gewahrt werden muss.

Giulia Conti

Lago Mortale

Ein Piemont-Krimi – Atlantik Verlag

288 Seiten, Klappenbroschur

€16,-[D]/ € 16,50[A].

ISBN 978-3-455-00546-2

Erscheint am 05. März 2019

Es tat einen lauten Knall

 

Für einen Moment hatte der Wind aufgefrischt, eine Bö war in die Segel gefahren, und der Baum mit dem Großsegel mit Wucht auf die andere Seite geschlagen. Simon paddelte jetzt nicht mehr, ließ das Kajak gemächlich auf die Yacht zutreiben, zögerte. Sollte er sie wirklich betreten? Was ging ihn das an? In was mischte er sich da ein? Wie immer siegte seine Neugier. 

Er machte noch ein paar leichte Schläge mit dem Paddel, dann hatte er das Segelboot erreicht und legte vorsichtig seitlich an. Es knirschte und rumorte. War da doch jemand auf dem Boot, der ihm nicht antwortete? Simon spitzte die Ohren und wanderte mit den Augen an der Bordwand entlang. Nichts zu sehen. Er riss sich am Riemen, so leicht verlor er üblicherweise nicht die Nerven, und als Segler waren ihm die Geräusche der Wanten und Schoten doch eigentlich vertraut. Er gab sich einen Ruck, vertäute sein Kajak an der Reling und schwang sich in die Yacht. 

Der erste Schritt ins Boot brachte ihn zu Fall. Er war auf dem feuchten Deck ausgerutscht, fiel der Länge nach hin und stieß sich dabei heftig mit dem Knöchel. Einen Moment blieb er liegen, dann rappelte er sich schnell wieder auf. Er musste die Situation im Griff behalten. Noch etwas benommen von dem Sturz setzte er sich auf. Sein Fuß tat weh, und er rieb sich den Knöchel. Der Schmerz ließ schnell nach, und er zog seine Hand zurück. Blut. Seine Finger waren blutverschmiert. Das konnte nicht sein Blut sein. So heftig war der Stoß gegen seinen Knöchel nicht gewesen. Woher kam es?  Simon blickte nach unten. Er war nicht auf nassem Boden, sondern in einer Blutlache ausgerutscht. 

 

Lago Mortale

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Nach einer stürmischen Dezembernacht wird am Ufer des Lago d‘Orta die Leiche einer Frau angespült. Schnell ist klar, dass sie nicht bloß mit ihrem Ruderboot gekentert ist. Die Tote ist eine junge und ausgesprochen hübsche Nonne, die erst kürzlich auf die Isola San Giulio gekommen war, um nach ihrer verschwundenen Mutter zu suchen. Hat sie etwas herausgefunden, das sie das Leben kostete? Was verschweigen die Besitzer des nahe gelegenen Reishofs? Als am Grund des Sees zudem ein Autowrack mit zwei Leichen geborgen wird, ist es für Simon Strasser wieder nichts mit dem Dolce Vita. In einem Fall, in dem nichts so ist, wie es zunächst scheint, steht der ehemalige Polizei- und Gerichtsreporter der örtlichen Kommissarin erneut zur Seite.

Giulia Conti

Isola Mortale

Ein Piemont-Krimi, Atlantik Verlag

320 Seiten, Klappenbroschur

ISBN: 978-3-455-00935-4

16,90 € (D) – 17,40 € (A) – 21,90 (CH)

Erscheinungsdatum: 07.10.2020

È una macchina!

Die Taucher schwammen nun wieder auf das Bergungsschiff zu,  dessen hünenhafter Kran jetzt den nicht weit entfernten geschmückten Weihnachtsbaum noch überragte. Dort angekommen, kletterten sie hintereinander die Badeleiter hoch, stellten sich an Bord zu einem Kreis zusammen, fassten sich unter, lösten sich wieder voneinander. Einer machte dem Kranführer ein Zeichen. Der ließ die Kette rasselnd tiefer rauschen, bis sie fast das Wasser berührte, woraufhin die Männer, einer nach dem anderen, zurück in den See sprangen. Blasen stiegen auf, wo sie abtauchten, ein paar Wellen verliefen sich schnell wieder. 

Die Minuten vergingen. Nichts passierte. Dann waren da plötzlich zwei Köpfe auf dem Wasser, wie große schwarze Bälle, Hände griffen nach der Kette, die beiden tauchten wieder ab. Die Schaulustigen ließen sich nun nicht mehr zurückdrängen, es wurden immer mehr. Auch Simon und Luisa waren von der aufgeregten Atmosphäre angesteckt, blickten gebannt auf das Geschehen. 

Endlich kamen alle Taucher wieder hoch, kletterten nacheinander zurück an Bord, legten ihre Geräte ab, streiften die Gummikapuzen ihrer Anzüge vom Kopf. Jetzt erst erkannte Simon, dass auch zwei Frauen unter ihnen waren. Es wurde auf einmal sehr still. Die Kette setzte sich wieder in Bewegung, straffte sich, wurde über dem Wasser immer länger, der See schlug erneut Blasen. Erst war es nur ein Schimmer, rötlich, dann wurde etwas Metallisches sichtbar, wurde größer. 

„È una macchina!“ Der Ruf kam aus der Menge, von einem der Zuschauer. Er hatte Recht. Es war ein Auto, einst rot gewesen, jetzt verblichen, verbeult und verrostet, voller Morast und gefangen in Stahlseilen, an denen braungrüne Pflanzenbüschel herabhingen wie Algen. In dicken Strömen lief das Wasser aus dem Wrack und tropfte an den langen Enden der Büschel ab. Noch ein Rasseln der Kette, ein Ruck und das Auto war ganz heraus aus dem Wasser, hing schaukelnd an der Kette wie ein riesiger Fisch. Einer der Feuerwehrmänner zückte ein Fernglas, hielt es vor die Augen. „Da ist etwas drin“, sagte er.

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© 2018 Christoph Potting – Dagmar Beckmann