Ölpest – eine kleine Begriffsgeschichte


Ölpest vor der bretonischen Küste

Es ist noch einmal gut gegangen. Beinahe wäre die Bretagne von einer neuen Ölpest heimgesucht worden. Als vor zwei Wochen der Frachter Grande America 350 Kilometer weit draußen vor der bretonischen Küste in Seenot geriet und sank, gingen unzählige Container mit Gefahrgut und nagelneuen PKWs über Bord. Die lange Zeit auf dem Wasser trieben oder nun auf dem Meeresgrund verweilen. Und seitdem Öl und Benzin aus den Tanks des Frachters entweichen, ist der Küstenschutz in voller Alarmbereitschaft. Erinnerungen an vergangene Ölkatastrophen fanden zurück in die öffentliche und mediale Erinnerung. Und veranlasste die bretonische Tageszeitung Le Telegramme dazu, der Nutzungs- und Bedeutungsgeschichte der mittlerweile gängigen Metapher Ölpest nachzuspüren.

Am 27. März 1967 erschien der Begriff Ölpest erstmals auf der Titelseite einer Zeitung. Unmittelbar nach dem Untergang des Öltankers Torrey Canyon neun Tage zuvor war in den Nachrichten noch von einem Ölteppichdie Rede. Um für das Ausmaß der Umweltkatastrophe den richtigen Ausdruck zu finden, entschied sich der Telegramme-Reporter Lucien Jégoudéin seinem Bericht für den Ausdruck Ölpest. Sein Foto eines ölverschmierten, um sein Leben ringenden Papageientauchers war längst über die Agenturen in die ganze Welt gegangen und ist zu einem ikonographischen Bild für Meeres- und Umweltverschmutzung geworden.

Die Tragödie des Torrey Canyon, des 123.000 Tonnen schweren Öltankers unter liberianischer Flagge, war damals an den Riffen zwischen dem Scilly und dem Cornish Point in zwei Teile zerbrochen und hatte zwischen Paimpol (Côtes-d'Armor) und Saint-Pol-de-Léon (Finistère) 80.000 Tonnen Öl freigesetzt. Ein Desaster für die bretonische Küste. Der Begriff Ölpestwird heute ganz selbstverständlich in der Alltagssprache verwendet, um eine bedeutende Meeresverschmutzung zu charakterisieren

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