Küstenwandern in der FAZ

DONNERSTAG, 28.02.2019 - F.A.Z. REISEBLATT


Immer am Meer entlang

Wir schreiben das Jahr 1791: Um dem Schmuggel britischer Waren ins revolutionäre Frankreich Einhalt zu gebieten, ordnet Paris die Überwachung der Küsten an Ärmelkanal und Atlantik an. Zöllner patrouillieren auf einem eigens angelegten Pfad, dem Sentier des douaniers. Knapp zweihundert Jahre später ist Großbritannien just der EU beigetreten, britische Waren zirkulieren frei ins kontinentale Europa – und der Zöllnerpfad wird 1976 zum GR 34 umgestaltet, einem Sentier de Grande Randonnée, also: Fernwanderweg. Seitdem brummt es auf der siebzehnhundert Kilometer langen Strecke vom Mont Saint-Michel im Norden bis nach Saint-Nazaire im Süden. Dass nicht jeder Abschnitt so spektakulär ist wie die Umrundung der weit in den kochenden Atlantik ragenden Pointe du Raz, versteht sich angesichts der Länge von allein. Und nicht alles sind so überlaufen wie die Rosa Granit-Küste zwischen Perros-Guirec und Trégastel. Statt den gesamten Verlauf vorzustellen, beschränken sich die Autoren dieses Führers auf achtzehn Touren. Jede hat ein Thema: Austern in Cancale, Strandfischen an der Odet-Mündung, Bunker und Panzersperren auf der Crozon-Halbinsel. Die Touren treten dabei fast in den Hintergrund. Basisinformation über Länge, Dauer, Sehenswürdigkeiten wird geliefert, der Verlauf präzise skizziert. Wirklich lesenswert und als Wanderlektüre eine Freude aber sind die Exkurse, etwa der zum Raubbau am Sand in der Bucht von Lannion, wo die Strände in die Unterwassersandgruben abzurutschen drohen. Oder der zum Verwaisen bretonischer Inseln am Beispiel der Île de Sein. ksi

„Küstenwandern in der Bretagne – Entdeckungstouren auf dem Zöllnerpfad“ von Dagmar

Beckmann und Christoph Potting. Rotpunktverlag, Zürich 2019. 295 Seiten, Abbildungen und Karten. Broschiert, 29 Euro.


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"Küstenwandern" im Reiseteil der FAZ

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