Maritime Staubsauger – New York setzt auf Austern



Dies ist ausnahmsweise kein Kurzbericht aus der Bretagne, sondern aus New York. Denn Bretonen und New Yorkern ist gemeinsam, dass sie auf Austern setzen. Wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Diese Meeresbewohner sind Filtrierer und pumpen täglich Hunderte Liter Wasser durch ihre Organismen. Dabei ziehen sie ihre Nährstoffe heraus. Plankton und Mikroorganismen geben dann den Tieren ihren besonderen und je nach maritimer Umgebung besonderen Geschmack.

Das terroirsind für Weinbauern die Böden, die ihren Trauben die charakteristischen Nährstoffe und dem Wein das entsprechende Bouquet geben. Algenzüchter sprechen von ihrem merroir und meinen damit die Gezeitenzonen, deren Nährstoffe zur spezifischen geschmacklichen Qualität beitragen.


Austern machen sauber

Nun haben die Hafenbecken von New York ein ganz besonderes merroir. Die Gewässer sind völlig verdreckt und vergiftet, mit Abfällen und Abwässern, Kunststoffen, Ölen – das ganze Programm. Und jetzt sollen es die Filtrierer wieder richten, von denen 28 Millionen Austern bereits im Wasser sind. Spiegel online schreibt dazu:

Das Billion Oyster Project recycelt pro Woche 3,6 Tonnen Austernschalenvon etwa 80 Restaurants New Yorks und verwandelt sie in Brutplätze für Austern-Larven. In sogenannten Hafenlabors werden dafür zunächst Keimzellen in Wassertanks befruchtet. Die dabei entstehenden Larven werden mit Algenkulturen versorgt und nach zwei bis drei Wochen in Tanks zu den Restaurant-Schalen gesetzt.

Dieses sogenannte Andocken gelingt bei 10 bis 40 Prozent der Larven, die sich dann in Austern verwandeln. In schwimmenden Käfigen und später an neu gebauten Riffs und Gittern wachsen sie schließlich weiter. Essbar sind die so gezüchteten Austern allerdings nicht, dafür ist das Wasser im Hafen zu verschmutzt.


Zielmarke – eine Milliarde Tiere

28 Millionen Austern haben Schüler - die öffentlichen Schulen binden das Non-Profit-Projekt in ihren Unterricht ein - und Freiwillige in fünf Jahren seit Projektbeginn bereits ins Wasser gebracht. Was nach viel klingt, ist für Direktor Pete Malinowski erst der Anfang. Ziel seien eine Milliarde Austern, geschafft sind also gerade einmal 2,8 Prozent. Eine Milliarde Austern würden das stehende Wasser im Hafen einmal alle drei Tage reinigen, sagt Malinowski. Zumindest, wenn man Zu- und Abfluss vom beziehungsweise in den Atlantik nicht mitrechnet.

Man musste nicht weit ins flache Wasser gehen, um Austern wie reife Früchte zu pflücken, schreibt Autor Mark Kurlansky in seinem Buch The Big Oyster: History on the Half Shellüber die Salzwasser-Spezialität. Das war bis ins 20. Jahrhundert in den Gewässern New Yorks so. Das könne also wieder werden...


Mehr im Internet

Billion Oyster Project: https://billionoysterproject.org/

5 Ansichten