WANDERN – WEGE – WISSEN

Warum sind die Gezeiten in der Bretagne so gewaltig, kommt der Wind meistens aus Westen und wachsen an der bretonischen Küste so wenig Bäume? Wie ist es möglich, Leuchttürme mitten in den tosenden Ozean zu bauen, Algen als industriellen Rohstoff zu ernten und aus Meerwasser kostbares Salz zu gewinnen?

 

Alles begann damit, dass wir uns solche Fragen stellten.

Unterwegs auf dem Zöllnerpfad in der Bretagne lagen sie für uns einfach am Wege. Und so kamen wir auf die Idee, in einem Wanderbuch neuen Formats Antworten darauf zu finden. Wir haben wochenlang Touren gemacht, intensiv recherchiert und daraus sind besondere Wissensabenteuer geworden. Das vorliegende Buch berichtet davon. 

 

 

Wenn der Kopf frei wird

Viele Wanderwege erzählen – wie der Sentier des doua-niers - Geschichte und Geschichten: über Menschen, über Arbeit und Kultur, Pflanzen und Tiere, Umwelt und Natur. Wer Wandern als Lektüre von Landschaften versteht, wird unterwegs anders hinschauen. Wandern – Wege – Wissen: Unterwegs am Meer in der Bretagne verknüpften sich die Freude an der Bewegung, das Erleben der spektakulären Küste mit der Neugier auf die Umgebung. 

 

 

Gehen und Denken 

Wenn Schriftsteller oder Journalisten Inspiration suchen und auf neue Gedanken kommen wollen, verlassen sie ihren Arbeitstisch und gehen umher. Auch Schauspieler, laufen herum, wenn sie sich ihre Texte aneignen. Schon Philosophen wie Nietzsche, Schopenhauer und Rousseau stellten heraus, wie sich beim Wandern die Gedanken formen. Ganze Denkschulen, wie der aristotelische Peripatos, sind nach dem Umherwandeln benannt. Und neuerdings sind sich auch die Gehirnforscher sicher, dass der rhythmische Gang auf zwei Beinen den neuronalen Aktivitäten von Großhirnrinde und Langzeitgedächtnis gut bekommt. Unsere Erfahrungen beim Wandern auf dem bretonischen Zöllnerpfad bestätigen dies. 

Wer ans Ziel kommen will, kann mit der Postkutsche fahren, aber wer richtig reisen will, soll zu Fuß gehen.
Jean-Jacques Rousseau, französisch-schweize-rischer Schriftsteller und Philosoph,
1712 – 1778

Was ich nicht erlernt habe, das habe ich erwandert.

Johann Wolfgang Goethe, deutscher Dichter, 1749 – 1832